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Immobilien im Scheidungsfall

Eine Scheidung ist emotional wie finanziell eine Herausforderung. Besonders wenn es sich um das gemeinsame Familienheim handelt, stellen sich viele Fragen: Wem gehört die Immobilie? Wer darf darin wohnen bleiben? Und wie wird der Wert aufgeteilt?

1. Eigentumsverhältnisse klären

Entscheidend ist zunächst, wer im Grundbuch steht:

  • Beide Ehepartner im Grundbuch → Die Immobilie gehört beiden gemeinsam.
  • Nur ein Ehepartner im Grundbuch → Die Immobilie gehört rechtlich nur dieser Person – unabhängig davon, wer die Raten gezahlt hat.
  • Erbe oder Schenkung → Bleibt grundsätzlich Alleineigentum des Begünstigten.

2. Zugewinnausgleich

Leben die Ehepartner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wird bei der Scheidung der während der Ehe erzielte Vermögenszuwachs ausgeglichen.

  • Die Immobilie selbst wird nicht automatisch „halbiert“.
  • Entscheidend ist die Wertsteigerung während der Ehe.
  • Schulden (z. B. Immobilienkredit) werden berücksichtigt.

Beispiel:
Wurde das Haus zu Beginn der Ehe für 300.000 € gekauft und ist bei Scheidung 500.000 € wert, zählt die Wertsteigerung (abzüglich Restschuld) zum Zugewinn.

3. Nutzung der Immobilie nach Trennung

Während des Trennungsjahres gilt:

  • Beide dürfen grundsätzlich im Haus wohnen bleiben.
  • Ist das Zusammenleben unzumutbar, kann ein Ehepartner ausziehen.
  • Bei Kindern darf oft der betreuende Elternteil mit den Kindern im Haus bleiben.

Das Familiengericht kann, wenn nötig, eine Wohnungszuweisung aussprechen.

4. Nutzung der Immobilie nach Trennung

Verkauf der Immobilie

  • Verkauf am freien Markt
  • Erlös wird entsprechend Eigentumsanteil aufgeteilt
  • Häufig die sauberste Lösung

Auszahlung eines Partners

  • Einer übernimmt das Haus
  • Der andere erhält eine Ausgleichszahlung
  • Bank muss Kreditübernahme zustimmen

Realteilung

  • Bei Zweifamilienhäusern möglich
  • Juristisch und baulich aufwendig

Teilungsversteigerung

  • Wenn keine Einigung möglich ist
  • Wird über das Amtsgericht beantragt
  • Oft finanziell nachteilig

5. Kreditverbindlichkeiten

Stehen beide im Darlehensvertrag, haften beide gegenüber der Bank – auch nach der Scheidung. Die interne Aufteilung zwischen den Ehepartnern ändert nichts an der Haftung gegenüber dem Kreditinstitut.

6. Steuerliche Aspekte

  • Spekulationssteuer kann anfallen, wenn die Immobilie nicht selbst genutzt wurde.
  • Bei Übertragung im Rahmen der Scheidung fällt meist keine Grunderwerbsteuer an.
  • Individuelle Beratung durch Steuerberater ist empfehlenswert.

7. Ehevertrag als Sonderfall

Besteht ein Ehevertrag (z. B. Gütertrennung oder modifizierte Zugewinngemeinschaft), gelten die dort vereinbarten Regelungen.

Fazit

Immobilien sind im Scheidungsfall oft der größte Vermögenswert und gleichzeitig emotional stark belastet. Eine frühzeitige Bewertung der Immobilie und eine einvernehmliche Lösung sparen meist Zeit, Geld und Nerven.